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Samstag, 5. Januar 2013

Soziale Netzwerke als Teil des modernen Staats

Zum 16. und vorerst letzten Mal fand die Fachmesse Moderner Staat auf dem Berliner Messegelände statt. Angesichts weiter rückläufiger Besucher- und Aussteller-Zahlen will der Veranstalter nächstes Jahr in einem Kongresshotel weitermachen, und zwar ohne die finanzielle Schirmherrschaft des Bundesinnenministeriums. Das plant einen eigenen Kongress, der im Juni im Berliner Congress Centrum ausgerichtet werden soll.

Moderner Staat
Von links nach recht: Meineke, Bär, Delius, Eisel. Vergrößern
Bild: Detlef Borchers Die Podiumsdiskussion über soziale Netzwerke und ihren Einsatz in der öffentlichen Verwaltung war überlaufen. Eilends wurden neue Stuhlreihen aufgebaut, während die aus den USA zugeschaltet Verwaltungswissenschaftlerin Ines Mergel den nun schon legendären Tweet von Obama und die Rolle von Twitter im US-Wahlkampf analysierte. Danach bemühten sich Christoph Meineke, der Web 2.0-Bürgermeister von Wennigsen, die CSU-Politikerin Dorothee Bär und der Berliner Pirat Martin Delius in trauter Einigkeit, dem skeptischen Publikum die Vorzüge von Twitter und Co. zu erklären.

Politisch seien soziale Netzwerke nur nutzbar, wenn das Engagement in ihnen nicht zwischen den Wahlkampagnen aufhöre, erklärte Bär, die während der Diskussion twitterte. Eine altmodische Twitterwall zeigte dem Publikum, was sich mit dem Hashtag #MMS12 abspielte – nicht viel. Bär machte sich auch für Facebook stark und bezeichnete den Rückzug von Politikern wie Ilse Aigner aus Facebook als falsche Strategie.

Moderner Staat
Das Podium mit Twitterwall. Vergrößern
Bild: Detlef Borchers Delius bekannte hingegen offen, von Facebook keine Ahnung zu haben und zeigte sich sehr skeptisch auf die Frage des Moderators, ob die Piraten als Partei die Schwarmintelligenz des Netzes nutzten. Solch eine Intelligenz gäbe es vielleicht in bestimmten Fällen, sei aber sehr schwer herzustellen, befand Delius. Er warnte davor, eine Präsenz der Verwaltung oder Politik in sozialen Netzwerken mit "Bürgerbeteiligung" gleichzusetzen. Diese gebe es erst, wenn über die Netze Bürger für Bürger aktiv würden. Er forderte das Publikum auf, mit den Angeboten zu experimentieren, dabei aber genau vorab die Punkte festzulegen, die erreicht werden sollen. Unterstützt wurde Delius vom Betreuer des Projektes Liquid Friesland.

Meineke berichtete von seiner Arbeit als bloggender Bürgermeister und lobte Werkzeuge wie Twitter, mit denen Bürgern vermittelt werden könne, wie eine Kommune arbeitet. Auch die Seniorengeneration sei nun rege dabei. "Wir signalisieren online: wir gehen einen gemeinsamen Weg, wir machen auch gemeinsam Fehler." Die Zeiten in denen Bürgermeister oder Ratsherren absolute Autoritäten waren, seien längst vorüber.

Als Kritiker der Vernetzung hatte Stephan Eisel einen schweren Stand. Punkten konnte er mit der Aussage, dass Verwaltungen nicht schon deshalb als transparent gelten können, wenn sie nur etwas "ins Internet stellen". Vielfach seien online gestellte "Bürgerhaushalte" intransparent, weil Verwaltungen Informationen über eigene Belange unterdrückten.

Das große Interesse an der Diskussion über soziale Netze zeigte, Mitarbeiter in Behörden und Verwaltungen machen sich sehr wohl Gedanken darüber, wie ein moderner Staat aussehen kann. Allerdings zeigte die Messe auch, das Geduld nötig ist. Aktionen mit großem PR-Rummel wie der 2011 auf der Messe eröffnete Wettbewerb Apps für Deutschland entpuppten sich als Marketing-Veranstaltung des Innenministeriums. Auch die auf der Messe geführte Diskussion über das E-Government-Gesetz, das vorige Woche vom Bundesrat als stark verbesserungswürdig eingestuft wurde, zeigt die Mühen der Ebenen: Modern geht nur, wenn alle es wollen. (Detlef Borchers) / (anw)


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Mittwoch, 9. Mai 2012

Studie: Was soziale Netzwerke über Nicht-Mitglieder wissen

Soziale Netzwerke können prinzipiell auch über Nicht-Mitglieder Informationsprofile erstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich von der Universität Heidelberg veröffentlichte Studie.

Die Tür zu den Informationen über Nicht-Mitglieder öffnet sich den Forschern zufolge durch die Mitglieder eines Netzwerks. Diese werden durch Funktionen wie etwa Facebooks heftig kritisierten "Freundefinder“ animiert, ihr E-Mail-Adressbuch hochzuladen – wodurch oft auch Kontaktdaten von Personen preisgegeben werden, die sich nicht im Netzwerk registriert haben. Mittels verschiedener Algorithmen könne man nun die Daten über Kontakte, die das Mitglied im Netzwerk hat, mit denen über seine Kontakte außerhalb abgleichen. Das Ergebnis ermögliche Rückschlüsse darüber, wie die einzelnen Nicht-Mitglieder untereinander bekannt sind.

Bei ihren Simulationen haben die Wissenschaftler laut eigenen Angaben handelsübliche Computerhardware benutzt. Demnach haben sie binnen weniger Tage mit hoher Wahrscheinlichkeit berechnet, welche Nicht-Mitglieder ihres Testdatensatzes miteinander befreundet sind. Unter realistischen Bedingungen könne man mit den verwendeten Verfahren Vorhersagewahrscheinlichkeiten von 40 Prozent erreichen.

Dabei beschränkte man sich in der Studie lediglich auf die reinen Kontaktdaten. Die zahlreichen weiteren Nutzerinformationen wie Alter, Wohnort, Ausbildung, über die soziale Netzwerke meist verfügen, könnten noch genauere Vorhersagen ermöglichen. Entsprechend betonten die Forscher, dass es Regelungen für den Umgang mit den Informationen bräuchte, die die betreffenden Personen nicht selbst freigegeben haben.

Außerdem wiesen sie darauf hin, dass auch das Offenlassen von Angaben in sozialen Profilen keinen kompltten Schutz biete. So könnten bestimmte Informationen wie sexuelle Orientierung oder politische Ausrichtung mit hoher Präzision ermittelt werden, falls genügend Freunde im Netzwerk diese Angaben gemacht haben. "Sobald bestätigte Freundschaftsbeziehungen bekannt sind, ist die Vorhersage bestimmter unbekannter Eigenschaften keine allzu große Herausforderung mehr für die maschinelle Datenanalyse", bekräftigte Professor Fred Hamprecht. (axk)


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