Freitag, 1. Juni 2012

Viel Kritik am Vorstoß der Grünen zu mehr Informationsfreiheit

Laut dem innenpolitischen Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz würden politische Entscheidungen besser "wenn die Bürger informiert sind und mitwirken können". Transparenz gehöre zu den Grundfesten der Demokratie. Bislang sei der Paradigmenwechsel in der Verwaltung noch nicht vollzogen, Auskunftsrechte gingen oft ins Leere. Es sei daher nötig, den Anspruch auf Akteneinsicht verfassungsrechtlich zu untermauern und parallel auf Private auszudehnen. Doch mit Ausnahme der Linken haben sich alle Bundestagsfraktionen vehement gegen die Initiative der Grünen ausgesprochen, das Recht auf Akteneinsicht im Grundgesetz zu verankern.

Mit dem Gesetzentwurf würden die Abgeordneten die Verfassung zu einem "Verwaltungsverfahrensgesetz" degradieren, monierte der CDU-Abgeordnete Patrick Sensburg am Freitag bei der ersten Lesung des Vorhabens im Parlament. Er warf der Oppositionspartei vor, ein Bild von der Politik zu zeichnen, das "nur aus Filz und Kumpanei" bestehe. Statt ein Grundrecht auf Informationsfreiheit zu schaffen, wäre es seiner Ansicht nach sinnvoller, die in zahlreichen rechtlichen Grundlagen vorgesehen Möglichkeiten zur Akteneinsicht in einem allgemeinen Informationsgesetz zu bündeln.

Sensburgs Fraktionskollege Stephan Mayer sah bei den Grünen die Angst vor den Piraten im Nacken sitzen. Erste Resultate der laufenden Evaluierung des Informationsfreiheitsgesetzes des Bundes zeigten, dass der darin enthaltene Anspruch auf Akteneinsicht nicht oft gegenüber Rechten von Verfassungsrang wie dem Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen zurücktreten müsse. Herausgekommen sei auch, dass die Nutzungszahlen mit Ausnahme einzelner "Massenabfragen" stagnierten. Hinter den meisten Auskunftsersuchen, die vor Gericht entschieden werden mussten, hätten Lobbyisten, Anleger, Insolvenzverwalter und Pressevertreter gestanden.

Der CSU-Politiker möchte daher lieber über Fragen des Missbrauchs der Informationsfreiheit sprechen. So seien derzeit zehn Mitarbeiter im Innenministerium damit beschäftigt, "66 Anfragen von zwei Journalisten zu beantworten". Diese wollten damit eventuell nur ihre eigene Recherchearbeit auf den Staat abwälzen. Das Vorhaben der Grünen könne zu einer "Missdeutung, einer Überbetonung des Informationsrechts gegenüber der informationellen Selbstbestimmung", ergänzte Mayers Parteigenosse Norbert Geis. Auch ein Eingriff in den "Kernbereich der Exekutive" sei zu befürchten.

Von einem prinzipiellen "gemeinsamen Anliegen" sprach die Innenexpertin der FDP, Gisela Piltz. Der Vorstoß sei aber "mit der sozialen Marktwirtschaft unvereinbar". Verbraucherinformation seien ein wichtiger Teil davon; aber ebenso hätten Unternehmen das Recht, ihre Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse vor der Konkurrenz zu bewahren. Die Liberale rief den Grünen zu, dass sie mit dem Anliegen, eine Verhältnismäßigkeitsprüfung im Einzelfall in diesem Bereich nicht mehr durchführen zu müssen, "ziemlich alleine im Parlament" seien.

Der Entwurf sei "gut gemeint", aber "nicht gut gemacht", gab Dieter Wiefelspütz im Namen der SPD-Fraktion zu bedenken. Bei der Informationsfreiheit müsse zwar tatsächlich "der nächste Schritt gemacht werden, aber nicht mit beliebigen Verfassungsänderungen". Der zweite sozialdemokratische Redner, Edgar Franke, postulierte, dass es kein "schrankenloses Grundrecht gegenüber öffentlichen Stellen" geben dürfe.

Eine Festschreibung des Zugangsrechts auf Informationen im Grundgesetz "kann nicht schaden", gab die Linke Nicole Gohlke von Notz Rückendeckung. Der Vorstoß sei so "selbstverständlich zu begrüßen". Sie ermahnte die Grünen aber zugleich im Zusammenhang mit dem Verbot von "Blockupy"-Kundgebungen, sich auch in Regionen und Städten wie Frankfurt, in denen sie mit in der Regierung sitzen, stärker für die Einhaltung von Grundrechten wie der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit einzusetzen. (Stefan Krempl) / (bbe)


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Gericht: Motorola verletzt SMS-Patent von Microsoft

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Patentverwerter einigt sich mit Apple und RIM

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Experimentierroboter TurtleBot 2 mit verbesserter Hardware

Auf der vergangenen Roboter-Konferenz ROSCon wurde ein Prototyp des TurtleBot-Nachfolgemodells mit verbesserten Sensoren vorgestellt. Das berichtet IEEE-Specrum in seinem Roboter-Blog. Das aktuelle TurtleBot-Modell beruht auf der mobilen Create-Plattform des Herstellers iRobot. Die hat mittlerweile zehn Jahre auf dem Buckel und darf unter anderem aufgrund fehlender FCC/CE-Zertifizierung nicht außerhalb der USA verkauft werden. Um dennoch TurtleBots in Europa zu verkaufen, tauschten einige Anbieter die Create-Plattform gegen zugelassene, aber teurere Roombas (521) aus.

Der koreanische Roboter-Hersteller Yujin hat nun Anregungen der TurtleBot-Bauer Willow Garage, Clearpath Robotics und I Heart Engineering umgesetzt und die Plattform Kobuki geschaffen. Kobuki enthält bereits ab Werk einen kalibrierten 1-Achs-Gyro (100 Grad pro Sekunde). Die Rad-Encoder haben eine hohe Auflösung von rund 12 Ticks pro Millimeter. Der Antrieb kann Kobuki mit 50 Zentimeter pro Sekunde bewegen, wobei er sogar noch leiser als der Create sein soll.


Yujin Robot hat auf der ROSCon den kommenden TurtleBot 2 vorgeführt.

Daneben enthält der Roboter ein leistungsfähiges Akku (6600mAH), das über dedizierte Anschlüsse auch stromhungrige zusätzliche Verbraucher versorgen kann. Ansonsten bleibt die Plattform kompatibel zu den anderen Komponenten und mechanischen Aufbauten des TurtleBot 1. Yujin Robot, deren Leiter Sam Park Mitglied im Verwaltungsrat der Open Source Robotics Foundation (OSRF) ist, erhofft sich von der neuen Plattform eine größere Verbreitung im Bildungsbereich in Asien.

Im September dieses Jahres sollen die ersten TurtleBot 2 mit Kobuki verfügbar sein, vermutlich wird aber der Kinect-Sensor gegen den Xtion-Sensor von Asus ausgetauscht. Der Sensor stammt im Kern ebenfalls von Primesense, benötigt aber keine separate Stromversorgung und ist nach Einschätzung der meisten Entwickler trotzdem leistungsfähiger als die Kinect. Der Preis für einen Turtlebot 2 soll bei 1500 US-Dollar liegen. Sowohl TurtleBot 1 als auch TurtleBot 2 laufen mit dem quelloffenen Roboterbetriebssystem ROS von Willow Garage. (dab)


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Studie: Scharfe Kritik an Plänen für EU-Grenzkontrollsystemen

Der von der EU-Kommission geplante Grenzüberwachungsapparat Eurosur und das parallele "Smart Borders"-Programm sind zu breit angelegt, beachten die Menschenrechte nicht hinreichend und könnten trotz hoher Kosten nicht effektiv funktionieren, fürchten Forscher. Die Kontrollsysteme könnten letztlich nicht nur zur Verhinderung illegaler Migration, sondern "für jeden beliebigen Zweck wie etwa der Überwachung des Fischereiwesens von jeder EU-Behörde verwendet werden". Das erklärte Ben Hayes von der britischen Bürgerrechtsorganisation Statewatch bei der Präsentation der von ihm miterstellten Studie "Borderline" am Donnerstag in Berlin. Insgesamt setze Brüssel zu sehr auf den Einsatz von Techniken und des Militärs statt auf humanitäre Mittel.


Überblick über Eurosur Vergrößern
Bild: Studie "Borderline" Die von der Grüne-nahen Heinrich-Böll-Stiftung und der grünen EU-Abgeordneten Ska Keller in Auftrag gegebene Untersuchung skizziert anhand der Vorstöße der Kommission ein Europa, in dem die Grenzen unter Einsatz eines riesigen Aufgebots an neuen Technologien wie Drohnen, Sensoren und Satellitensuchsystemen permanent überwacht werden. Dazu komme ein Ein-/Ausreisesystem, das Bewegungen von Personen an den Außengrenzen des Schengen-Raums aufzeichnen solle und biometrische Identitätskontrollen auf alle Nicht-EU-Bürger ausweiten würde. Parallel sehe ein Registrierungsprogramm eine beschleunigte Einreise vorab überprüfter Angehöriger von Drittstaaten vor.

Die Vorschläge seien offiziell als Reaktion auf den Arabischen Frühling dargestellt worden, doch in Wahrheit hätten die Pläne bereits jahrelang in den Schubladen von EU-Bürokraten geschlummert, heißt es in der Analyse. Zusammen könnten Eurosur und die "Smart Border"-Initiative Kosten in einer Größenordnung von zwei Milliarden Euro oder mehr verursachen. Hayes rechnete vor, dass die Kommission allein für das Grenzkontrollsystem rund 339 Millionen Euro eingeplant habe. Die eigene, "konservative Einschätzung" belaufe sich dagegen auf gut 874 Millionen nur für den Aufbau von Eurosur.

Dazu komme, dass dieses Geld voraussichtlich in den Sand gesetzt werde, monierte der Statewatch-Forscher. Vorbild für das System sei der "virtuelle Zaun" der USA an der Grenze zu Mexiko gewesen, dessen Errichtung die Regierung in Washington aufgrund nicht beherrschbarer Probleme vor anderthalb Jahren wieder abgeblasen hat. Auch in der EU sei fraglich, wie 24 verschiedene einzelstaatliche Grenzüberwachungssysteme und Koordinationszentren erfolgreich untereinander und über die Grenzschutzagentur Frontex in Polen vernetzt werden sollten. Trotz des High-Tech-Anspruchs sei die Initiative keiner angemessenen technologischen Risikobewertung unterzogen worden: Gefragt worden seien vor allem Hard- und Softwarefirmen, die an dem System verdienen wollten.

Hayes kritisierte auch das bisherige Verfahren der Entscheidungsfindung als "abgekartetes Spiel": Über zahlreiche Forschungsprogramme seien schon Millionen in Eurosur investiert worden. Nun gehe die Kommission davon aus, dass das System bereits 2013 in einer Beta-Version in Betrieb gehen könne. Der Beratungsprozess im EU-Parlament habe aber gerade erst begonnen, sodass die Volksvertreter faktisch vor vollendete Tatsachen gestellt würden.

Die Studie arbeitet weiter heraus, dass die Kommission kaum auf den Schutz der Privatsphäre der Betroffenen eingehe. Die Brüsseler Regierungseinrichtung gehe nämlich davon aus, dass Eurosur personenbezogene Daten nur in Ausnahmefällen verarbeiten werde. Die Forscher erwarten dagegen, dass mit dem Einsatz von Drohnen und anderen luftgestützten Kontrollmechanismen durchaus viele persönliche Informationen erfasst würden und daher ein detailliertes Datenschutzkonzept erforderlich sei.


EU-Außengrenze zwischen Bulgarien und der Türkei Vergrößern
Bild: Europäische Kommission Mathias Vermeulen vom European University Institute bezeichnete als Ko-Autor der Untersuchung das angekündigte "Entry/Exit-System" als unnötig. Es würde ihm zufolge vor allem lange Warteschlangen an Einreisepunkten aufgrund der biometrischen Erfassung und Überprüfung produzieren, während die illegale Migration oder das Überziehen von Visa damit eh nicht wasserdicht verhindert werden könnte. Für die Bekämpfung von Terrorismus sei der Ansatz ungeeignet, was die Kommission selbst bereits eingesehen habe. Ferner gebe es keine rechtliche Erfordernis für die Speicherung der erfassten biometrischen Fingerabdrücke und Gesichts-Scans auf Vorrat.

Von einer "Invasion" illegaler Einwanderer könne gar keine Rede sein, gab der italienische "Fortress Europe"-Blogger Gabriele del Grande zu bedenken. Zum einen stelle die Regierung in Rom ohnehin viele Gesuche nach billigen Arbeitskräften an die nordafrikanischen Staaten. Zum anderen kämen die meisten "Immigranten" derzeit aus europäischen Staaten wie Rumänien nach Italien. Junge Leute, die sich über das grenzenlose Internet vernetzten, wollten zudem überall auf der Welt ihre Grundrechte auf Reisen im "globalen Dorf" verwirklichen.

Ibrahim Awad vom Zentrum für Studien zur Migration und Flüchtlingen an der American University in Kairo konstatierte, dass man eigentlich nur Kriminellen Fingerabdrücke nehme und ihre Gesichter aufnehme. Viele Einreisende dürften sich ihm zufolge angesichts solcher erkennungsdienstlicher Maßnahmen an den Grenzen als Bürger 2. Klasse fühlen. "Wir finden das 'Smart Borders'-Paket nicht clever, sondern zynisch", erklärte in diesem Sinne Studieninitiatorin Keller. Insgesamt drohe die Grenzkontrolle angesichts der Trends zur Technisierung und Anonymisierung unmenschlicher und unflexibler zu werden. Die Grünen lehnten die Initiativen daher ab und drängten darauf, zumindest zunächst das Schicksal der bereits angelegten Datenhalden im Schengener Informationssystem 2 (SIS II) und im neuen Visa-Informationssystem abzuwarten. (Stefan Krempl) / (mho)


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Linksfraktion kritisiert Mail-Schnüffelpraxis deutscher Geheimdienste

Die Linksfraktion im Deutschen Bundestag kritisiert die Antwort der Bundesregierung (PDF-Datei) auf ihre Kleine Anfrage zur "strategischen Fernmeldeaufklärung" der BRD. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich die Praxis deutscher Geheimdienste, den ins Ausland führenden ebenso wie den eintreffenden Mailverkehr mit Stichproben zu überwachen, Die festgelegte Quote, 20 Prozent des Mailverkehrs mit 16.400 Begriffen zu überprüfen, werde wahrscheinlich deutlich überschritten, kritisieren die Abgeordneten Andrej Hunko und Jan Korte.

Eine erfolgreiche Anfrage sieht anders aus: Das Gros der Antworten der Bundesregierung auf Fragen nach Art und Umfang der Fernmeldeaufklärung endet nach allgemeinen Informationen mit dem Satz: "Die Informationen werden als 'Geheim' eingestuft und dem Deutschen Bundestag zur Einsichtnahme übermittelt." Dort liegen die Antworten in der Geheimschutzstelle – und sind damit der öffentlichen Diskussion entzogen. "Abgeordnete dürfen die geheim gehaltenen Informationen nicht durch Netzaktivisten, Bürgerrechtler oder Anwälte bewerten lassen", bedauert der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko.

Insgesamt wird aus der Antwort der Bundesregierung deutlich, dass auch die Geheimdienste ihr Spam-Problem haben. Durch die 16.400 Suchbegriffe qualifizierten sich im Jahre 2010 37 Millionen Mails für die nähere Inspektion, doch musste das Gros des Materials weggeworfen werden. "Bei den erfassten E-Mailverkehren lag der Anteil an Spam bei etwa 90 Prozent", heißt es in der Regierungsantwort.

Die Frage der Abgeordneten, ob die beim Mail-Scanning eingesetzte Technik in der Lage sei, verschlüsselte Kommunikation (etwa per SSH oder PGP) zumindest "teilweise zu entschlüsseln und/oder auszuwerten", wird von der Bundesregierung bejaht. "Ja, die eingesetzte Technik ist grundsätzlich hierzu in der Lage, je nach Art und Qualität der Verschlüsselung", lautet die Antwort, die offenlässt, mit welchen Aktionen Geheimdienstler sich in die Verschlüsselung einklinken. Die Formulierung zur "Qualität der Verschlüsselung" lässt allenfalls die Vermutung zu, dass Passphrases mit Brute-Force-Probierern ermittelt werden beziehungsweise abegriffene Keys oder Quellen-Telekommunikationsüberwachung (das Abfangen unter anderem von Mails vor der Verschlüsselung beim Sender bzw. nach der Entschlüsselung beim Empfänger durch Trojaner) zum Einsatz kommen. Den Schluss allerdings, dass die PGP-Verschlüsselung geknackt sei, wie manche schon vermuteten, gibt die Antwort der Bundesregierung nicht her.

Jan Korte vom Vorstand der Linksfraktion ist mit der Antwort der Bundesregierung nicht zufrieden: "Die Bundesregierung wirft mehr Fragen und Zweifel auf, als dass die Öffentlichkeit über das Ausmaß der staatlichen Telekommunikationsüberwachung aufgeklärt wird. Demokratische Kontrolle sieht anders aus." (Detlef Borchers) / (jk)


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Massenentlassungen bei japanischem Chiphersteller

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